Light+building 2012

Technik als tägliches Brot, Design als Bonbon
Mit dem sogenannten „Glühlampen-Verbot“, der EU-Richtlinie, die das schrittweise Aus für die Glühlampe vorsieht, schlug auch die Stunde der LED. Heute gibt es LEDs in vielen Farben und verschiedenen Weißtönen. Bei hochwertigen LEDs stimmt auch die Lichtqualität, womit das Leuchtmittel spätestens jetzt auch im Wohnraum angekommen ist. Wo die kleinen Lichtpunkte noch vor wenigen Jahren im Design als definiertes Gestaltungsmittel dienten, nehmen die neuen Leuchtenentwürfe die LED wie selbstverständlich auf, ohne sie als „exotisches“ Leuchtmittel betonen zu müssen. Technik muss funktionieren und größtmöglichen Komfort bieten.

Die Trends bei Licht und Wohnen versprechen also spannend und überaus kreativ zu werden. Viele Neuheiten werden vom 15. bis 20. April 2012 zur Weltleitmesse Light+Building in Frankfurt am Main erstmals präsentiert, einen Ausblick auf die Lichttrends 2012/2013 gibt es bereits an dieser Stelle.

Das Unverfälschte in Zeiten des technologischen Wandels

Design ist immer auch Spiegel des Zeitgeistes, das gilt für Möbel, Mode und Technik ebenso wie für Leuchten. Wir befinden uns in ei-ner Zeit des technologischen Wandels: Moderne Kommunikations-technik erleichtert uns die Arbeit und das alltägliche Leben. Die Kehrseite ist jedoch zunehmende Überforderung, Schnelligkeit, Reizüberflutung. Analog zu dieser „Hassliebe“ lassen sich auch im Leuchtendesign zwei grundlegende Trends ableiten: Technisch-industrielles Design und im Gegenzug der Hang zur Natürlichkeit. Beiden gemein ist die Sehnsucht nach dem Echten, dem „Handge-machten“. Der rohe Charme des Industriellen erstrahlt in meist mo-dernen, sachlichen Interieurs in Form von Leuchten aus Aluminium, Stahl und Blech, gebogen, gehämmert und gern auch in lässiger Vintage-Optik. Technische Elemente wie Kabel, Leuchtmittel, Schrauben und Scharniere bleiben sichtbar und werden bewusst als Gestaltungselement eingesetzt: Die Tischleuchte aus gefaltetem Aluminium von Serge und Robert Cornelissen lebt von ihrem knallroten Kabel und der Leuchtendesigner Ingo Maurer setzt den Reflektor einfach gleich an die Außenhaut des Schirms aus gebogenen Aluminiumplatten, sodass das Licht von außen auf die Leuchte strahlt. Eine offene Hommage an die Computertechnik zeigt die französische Designerin Matali Crasset: Der Schirm ihrer LED-Pendelleuchte besteht aus vier Kunststoffplatten, die nicht nur zufällig aussehen wie Computerplatinen.

Die Natur hält Einzug in den Wohnraum
Die immer schneller voranschreitende technische Entwicklung in na-hezu allen Lebensbereichen lässt aber auch den Wunsch nach wahren Werten, nach Ruhe und Wärme entstehen – besonders im Priva-ten. Dieser Trend zur Natürlichkeit spiegelt sich im Leuchtendesign vor allem bei den Materialien wieder: Naturbelassenes Holz und leichtes Papier, schlichte Formen gepaart mit einer fast skandinavi-schen Sachlichkeit und Wertigkeit. Leuchten wie die von Kai Linke hängen in Form von rohen Holzblöcken von der Decke herab und die Bouroullec-Brüder entwerfen eine Tischleuchtenkollektion, bei der lediglich zwei Holzelemente miteinander verbunden werden. Da-bei spendet das obere Element Licht, während das untere als Abla-ge dienen kann. Doch nicht nur als natürliches Material, auch in Form von Imitation zieht die Natur in den Wohnraum ein: Es ranken sich glitzernde Blumen aus Polykarbonat um das Leuchtmittel her-um, LED-„Blätter“ leuchten an den Spitzen eines verflochtenen „Ge-ästs“ aus feinen Metalldrähten und Standleuchten biegen sich in ei-nem perfekten Bogen wie eine Wasserfontäne über den Tisch. Die Designer Ludovica und Roberto Palomba lassen aus einer klassisch-schlichten Tischleuchte sogar einen kleinen Ast heraus „wachsen“, der als Touch-Dimmer fungiert.

Luxus und Glamour
Nicht nur als Imitation sondern auch in stilisierter Form zeigt sich der Wunsch nach Natürlichkeit im Leuchtendesign: Objekte, die in amorphen Formen zu fließen scheinen und denen man ihre Funktion als Leuchte auf den ersten Blick nicht ansieht. In Anlehnung an Wolken oder flüssiges Metall und an nahezu unsichtbaren Halterungen befestigt, sind diese Leuchten Skulpturen im Wohnraum, Hingucker, ein individuelles Statement. Ebenso fließend wie die Formen ist hier auch der Übergang zum Luxus – schließlich sollte nicht nur das Licht moderner Wohnraumleuchten brillant sein. So sind auch Luxus, Eleganz und Glamour ungebrochen im Trend: In ihrer Form eher klassisch und zurückgenommen, glänzen die Luxus-Leuchten durch lackierte, meist schwarze oder golden-glänzende Oberflächen.

Die Tischleuchten-Kultur: Vom Accessoire bis zum Helferlein
Einen regelrechten Siegeszug treten die Tischleuchten an: Klein, flexibel und als Designerstück meist sogar für den durchschnittlichen Geldbeutel erschwinglich, schmücken sie mit Humor und Einfalls-reichtum die Wohnräume, quer durch alle Altersklassen, Lebens- und Einrichtungsstile. In diesem Bereich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Sie dienen als witzige, kleine Lichtspender in der Küche, als atmosphärisches Accessoire im Ess- und Wohnbereich ebenso wie als Leseleuchte im Schlafzimmer. Und es darf ruhig et-was bunter sein. Einige Designer gehen sogar noch weiter und per-sonifizieren die kleinen Leuchten regelrecht: Mit stilisierten Schirmen, die wie kleine Hüte wirken, besitzen viele Tischleuchten eine bewusst niedliche Anmutung.

Wo große Leuchten durch ausgefallenes Design und poppige Farben schnell dominant und aufdringlich wirken können, toben sich die Designer bei den Minileuchten kreativ aus: Die kommende Saison bringt eine Fülle von neuen Modellen auf den Markt – in allen er-denklichen Formen und Farben dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Doch damit nicht genug. Multifunktionalität ist gefragt: Vom Telefon zum Smartphone, vom Computer zum Tablet, von der Leuchte zum Einrichtungsobjekt mit Zusatznutzen. So dient die Leseleuchte nicht mehr nur als Lichtspender sondern zugleich als Buchablage. Und was vermeintlich mit seinen vier Füßen, den di-cken blauen Schrauben und heller Haube als Beistelltisch identifiziert wurde, ist in Wahrheit eine Bodenleuchte. Aber auch ein Bei-stelltisch. Die Grenzen sind fließend und Humor ist erlaubt. Es lebe die neue Gestaltungsfreiheit.

Über die neuesten Entwicklungen in der Raumgestaltung und die Wohntrends für 2012/13  informiert das Trendforum exklusiv auf der Light+Building in Frankfurt am Main. Inszeniert werden stilistische Hauptrichtungen in jeweils einer Wohnwelt. Die Umsetzung über-nimmt das international renommierte Stilbüro bora.herke.palmisano aus Frankfurt am Main und Berlin. Das Trendforum ist im Foyer zwi-schen den Hallen 5.1 und 6.1 zu finden.

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